Wissenschaftler haben hopfenpillen zur behandlung von magenkrankheiten erstellt

Wissenschaftler dreier Forschungsinstitute arbeiteten zusammen an der Herstellung von Gelatine-Kapseln mit Hopfeninhaltsstoffen. Sie bewiesen, dass der Hopfen die Ausbreitung der ursprünglichen Infektion, die zur Magengeschwür- und Krebsbildung beiträgt, verhindert. Mikroben können ebenfalls durch Antibiotika eliminiert werden, doch zeigen sie bei einigen Patienten nicht den gewünschten Effekt.

„Wir haben durch Labortests bewiesen, dass Substanzen, die im Hopfen enthalten sind, Helicobacter- pylori-Bakterien an der Ausbreitung hindern. Es ist ebenfalls sehr wahrscheinlich, dass diese Substanzen in höherer Konzentration in der Lage sind, diese zu eliminieren“, sagte Pavel Čermák, Chefarzt der klinischen Mikrobiologie des Thomayer Klinikums in Prag, zu iDNES.cz. Ärzte haben einen Effekt des Hopfens auf die Bakterien in dreijähriger Forschung nachgewiesen. Neben dem Thomayer Klinikum wurden diese Forschungen ebenfalls am Forschungsinstitut für Nahrungsmittelindustrie und am Forschungsinstitut für Brauereiwesen und Mälzerei in Prag ausgeführt.

Sie behaupten nun, dass sie Ergebnisse haben, die beweisen, dass Hopfen über eine ähnliche Wirkung wie Antibiotika verfügt.

Laut den Wissenschaftlern wurden die heilkräftigen Eigenschaften des Hopfens nachgewiesen. Die Untersuchung wurde aufgrund der Tatsache durchgeführt, dass gewöhnliche Antibiotika bei einigen Patienten keine Wirkung zeigen. Die weitverbreitete Nutzung von Antibiotika hat es dem Bakterium ermöglicht sich vor der Behandlung zu schützen. „In der Tschechischen Republik gibt es Tausende von patienten mit dem Bakterium“, erklärte Čermák. Geschätzte fünf Prozent von ihnen können nicht mit Antibiotika behandelt werden. Doch diese Zahlen kommen aus dem Labor, nicht aus der medizinischen Praxis. „In der Realität könnte dieser Prozentsatz weitaus höher sein“, betont Čermák.

Für die Studienzwecke war es notwendig den Hopfen für eine möglichst lange Zeit frisch zu halten. Forscher griffen auf die sogenannte „Pascalisation“ zurück um den Hopfen haltbar zu machen. Das Material wird vor der Lagerung in einer kalten Atmosphäre druckbehandelt. Es wird nicht, wie bei einer Pasteurisierung oder Sterilisierung, erhitzt. Der Hopfen kann sich durch diese Methode ein ganzes Jahr ohne Verlust seiner Eigenschaften halten.

Der „pascalisierte” Hopfen wurde an das Labor des Thomayer Klinikums geschickt, wo Mikrobiologen 31 Helicobacter-pylori-Bakterienstämme kultivierten. Dann versuchten sie diese mit Inhaltsstoffen des Hopfens und mit Antibiotika zu eliminieren. Zur Zeit bereiten sie sich darauf vor die Ergebnisse in den Fachmedien zu veröffentlichen. „Wir haben durch die Labortests bewiesen, dass der Hopfen fast so effektiv wie Antibiotika zur Behandlung des Bakteriums eingesetzt werden kann“, erklärte Čermák.

Hopfen in Gummibärchen

Damit hätten die Studien beendet sein können, doch dies war nicht der Fall. Das Forschungsinstitut für Nahrungsmittelindustrie verfolgte weitere Studien. Das Institut sucht nach Wegen den Hopfen zu den Patienten zu bringen. Da der medizinische Untersuchungsprozess langwierig und teuer ist, entschieden sie sich für eine Nahrungsmittelergänzung. Dieselbe Kategorie wie zum Beispiel Vitamine oder zusammengefügte Nährstoffe.

Aus dem Hopfen wurden dunkelbraune Gelatine-Kapseln hergestellt, in Größe und Form ähnlich wie Viagra. Laut Jan Strohalm vom Forschungsinstitut war das größte Problem ausreichend Wasser in die Kapseln zu bekommen und den bitteren Geschmack auszuschalten. „Am Ende erwies sich getrocknetes Gerstenmalz als am effektivsten“, ergänzte Strohalm.

Die Kapseln haben noch keinen Hersteller

Da es ihnen am Ende möglich war die Kapseln zu produzieren, reichten die Forscher eine Gebrauchsmusteranmeldung ein und patentierten den kompletten Herstellungsprozess. Dann gingen sie zu den Nahrungsmittelherstellern. Bis jetzt ohne Erfolg. „Obwohl wir es versuchten haben wir noch keinen Produzenten gefunden. Ich glaube das Problem ist, dass das Produkt für gesundheitliche Zwecke gedacht ist“, spekuliert Strohalm. Nahrungsmittelproduzenten ist es verboten Nahrungsergänzungen zu bewerben, genau so wie es bei Medikamenten der Fall ist. Sie dürfen nicht mit den heilkräftigen Wirkungen des Nahrungsmittels werben, auch wenn wissenschaftliche Studien belegen, dass Hopfen in der Tat solche Eigenschaften besitzt.

Vorerst werden die Hopfenkapseln die Patienten nicht erreichen. Die Situation könnte sich jedoch ändern, wenn größere Firmen an der Produktion der Kapseln interessiert wären und mit der heilenden Eigenschaft des Hopfens werben würden. Es würde ebenfalls helfen, wenn die Tschechische Republik die Aufnahme des Hopfens als Medizin in die europäische Gesetzgebung anstoßen würde.

Laut Alexandr Mikyška vom Forschungsinstitut für Brauwesen und Mälzerei in Prag ist es ohne Zweifel, dass die Substanzen im Hopfen entzündungshemmende und diuretische Wirkung haben, den Appetit anregen und den Organismus reinigen, sowie Schlafstörungen bekämpfen können. Ebenfalls enthält Hopfen ähnliche Stoffe wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Es ist möglich den Zeitraum einer Menopause zu ändern oder Probleme durch die Menopause zu verhindern. Tatsächlich haben Wissenschaftler in der Vergangenheit ein Bier für Frauen entwickelt. Dieses Bier kam ebenfalls nie in die Herstellung.

Wissenschaftler behaupten, dass die Inhaltsstoffe offenkundig durch Biergenuss aufgenommen werden können. Allerdings wird Bier mit getrockneten Strobili gebraut und enthält dadurch weniger der heilenden Substanzen. Produzenten experimentieren bereits damit Bier zu brauen, dass einen höheren Anteil dieser Wirkstoffe enthält. Diese Biere werden im Ausland hergestellt, doch könnte es sein, dass Konsumenten vom bitteren Geschmack abgeschreckt werden.

Quelle: idnes.cz

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